Orgelmusiken

in Nordstemmen 2025
OrgelTermine

Fünf Konzerte 2025

Die St. Johannis Kirchengemeinde lädt im Sommer 2025 zum dritten Mal zu Orgelkonzerten mit internationalen Künstler:innen ein. Zu den einzelnen Veranstaltungen finden Sie auf dieser Seite informationen zu den einzelnen Künstler:innen sowie kurz vor den Konzerten das jeweilige Programm. 

Die Kirchengemeinde

Die St. Johannis Kirchengemeinde Nordstemmen hat eine lange musikalische Tradition. Für die modernen Gottesdienste „alive, „kreuz & quer“ und „3/17“ haben sich jeweils eine Band gebildet. Die Kirchenchöre der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde fusionieren in diesem Jahr. Die Orgelmusik wurde bekannt durch Formate wie „Große Musik in kleiner Kirche“.

Konzertplanung 2025

25.05.2025 // 17.00 Uhr // Loreto Aramendi // San Sebastian, Spanien
Loreto Aramendi ist derzeit die internationale Titularorganistin an der Cavaillé-Coll-Orgel (1863) der Basilika von Santa Maria del Coro. Zudem lehrt sie als Professorin am F.Escudero-Konservatorium in San Sebastián.
Sie hat zahlreiche Konzerte bei internationalen Festivals in den USA, Japan, Russland, Kanada, Chile, Argentinien und den meisten europäischen Ländern gegeben. Zu ihren Auftritten zählen die Opera City Hall in Tokio, der Auditorio Nacional in Madrid, Notre Dame in Paris, die Kathedrale von Moskau, Hallgrímskirkja in Reykjavik, die Saint Patrick’s Cathedral in New York, Westminster Cathedral, das Auditorium von Stavanger, Radio France und der Berliner Dom.
Als Jurymitglied nimmt sie an verschiedenen internationalen Wettbewerben teil und unterrichtet Meisterkurse auf mehreren internationalen Festivals.
Im Jahr 2015 veröffentlichte sie eine Doppel-CD, aufgenommen an der Cavaillé-Coll-Orgel der Basilika von Santa Maria del Coro, mit Werken von C. Franck, F. Liszt, J. Brahms und Ch. Tournemire. Diese Aufnahme wurde mit dem 4-Sterne-Preis des „Choir & Organ“ Magazins ausgezeichnet und von „The Sydney Organ Journal“ gefeiert.
2017 folgte eine weitere Doppel-CD, die an der Cavaillé-Coll-Orgel der Abtei Saint-Ouen in Rouen aufgenommen wurde und Louis Robilliards Transkriptionen enthält, die von den Kritikern gefeiert wurden. 2019 veröffentlichte sie eine weitere Doppel-CD, die in Salamanca und Santanyí aufgenommen wurde.
Loreto Aramendi zeigt großes Interesse am Orgelbau und hat seit 2014 an mehreren Restaurierungsprojekten in Frankreich und Spanien mitgewirkt.
Ihr Studium begann sie am Konservatorium von San Sebastián, wo sie höhere Abschlüsse in Klavier, Cembalo, Orgel und Kammermusik bei Loreto F. Imaz und Esther Mendiburu erwarb. Sie studierte Orgel am Nationalen Regionalkonservatorium von Bayonne bei Bernadette Carrau und Esteban Landart und erhielt nach Abschluss das Fortgeschrittenen-Diplom sowie die Goldmedaille und den Ersten Preis.
Am Nationalen Höheren Konservatorium von Lyon (C.N.S.M.D) arbeitete sie mit Jean Boyer, Louis Robilliard und J. von Oortmersen zusammen und erhielt den Ersten Preis mit „Mention très bien“ für ihr nationales Diplom des Fortgeschrittenen Studiums mit Spezialisierung in Orgel.
Anschließend setzte sie ihr Studium über fünf Jahre am National Regional Superior Conservatoire in Paris bei Noelle Spieth fort und erhielt den Ersten Preis nach Abschluss ihres Fortgeschrittenen Diploms in Cembalo sowie ihren Abschluss im Allgemeinen Musikstudium. Gleichzeitig arbeitete sie mit J. Rouvier an der Klavierspezialisierung.
In Barcelona studierte sie drei Jahre Klavier bei Edith Fischer und Jorge Pepi und absolvierte Fortgeschrittenenkurse bei Professoren wie M. Radulescu, J. Oortmersen, W. Jansen, D. Moroney, R. Requejo, Roberto Szidon und Sacharow.
Loreto arbeitet seit vielen Jahren mit dem Baskischen Sinfonieorchester zusammen, mit dem sie zwei CDs produziert hat. Sie gibt Konzerte als Solistin sowie mit verschiedenen Gruppen als Organistin, Pianistin und Cembalospielerin und hat ein Repertoire, das alle Epochen und Stile umfasst. Gleichzeitig hat sie einen Abschluss in Psychologie von der Universität des Baskenlandes (UPV).

Zu ihren Verpflichtungen in den nächsten Jahren gehören Konzerte in Japan, den USA, Frankreich, Polen, Spanien, Russland, Italien, Deutschland, England, der Schweiz, Luxemburg und Finnland.

29.06.2025 // 17.00 Uhr // Paolo Oreni // Mailand

Paolo Oreni wurde 1979 in Treviglio geboren. Mit 11 begann er bei Meister Giovanni Walter ZaramellaamMusikinstitut„Gaetano Donizetti“ Orgel und Orgelkomposition zu studieren.

Dank der Stipendien durch das Kulturministe- rium von Luxemburg, der Gemeinde und der Genossenschaftsbank von Treviglio setzt er ab 2000 seine musikalischen Studien am Na- tionalkonservatorium von Luxemburg fort.

Dort gewann er 2002 den ersten Preis im internationalen Wettbewerb „Prix Interrégional-Diplòme de Concert“, einem angesehenen mitteleuropäischen Diplom.

Er sammelt die wertvollen Anstöße unter- schiedlicher Meister von internationalem Niveau, insbesondere von Jean-Paul Imbert und Lydia Baldecchi Arcuri, mit denen er sein Orgel- und Klavierrepertoire vertieft und erweitert. Außerdem hat er seine Konzertorgel, genann- Entscheidend für seine Ausbildung ist die Be- gegnung mit Meister Jean Guillou, bei dem er an mehreren Meisterklassen teilnahm. Dabei wurden die großen Orgeln in der Ton- halle Zürich und der Kirche St. Eustache in Paris gespielt (Stiftung für internationale Meisterkurse für Musik). “Wanderer” entwor-

Er gewann mehrere internationale Wettbewer- be. Im Juni 2004 erhielt er eine lobende Aus- zeichnung im internationalen Wettbewerb „Ville de Paris“, hervorgehoben aus dem Kreis von 60 Organisten, die aus der ganzen Welt kommen.

Er spielte als Duo mit Musikern des Philharmo nischen Orchesters des Theaters der Scala in Mailand, in kammermusikalischen Besetzungen und symphonischen Orchestern (Gaetano Doni- zetti Orchester in Bergamo, Symphonieorches- ter “laVerdi” Mailand, Jeune Orchestre de Paris, Orchestra Haydn Bozen, Symphonisches Or- chester Zürich, Bochumer Symphoniker, Wies- badener Sinfonieorchester,…) und setzt seine in- tensive Tätigkeit als Konzertorganist weiter fort.

In diesem Rahmen wird er regelmä- ßig von den bekanntesten internationa- len Festivals für Musik in ganz Europa und auf den Kanarischen Inseln eingeladen. Für die französische Plattenfirma Fugatto hat er auf der Bossi-Orgel in Cremolino eine CD aufge- nommen, ebenso für ORGANpromotion auf der Rieger-Orgel in Reutlingen, sowie für die Gemein- de von Salorno in Südtirol an der Pirchner-Orgel. Viele Konzerte wurden von europäischen Radio- sendern aufgenommen und gesendet, unter an- derem vom Bayerischen Rundfunk in München.

Seit 2006 wird er regelmäßig eingeladen, Meis- terklassen über Improvisation und Literaturspiel von Bach bis zur zeitgenössischen” entwor- fen, die derzeit größte transportable Orgel ist.

Musik in der Erzdiözese München, bei der renommierten internationalen Akademie des Domes zu Altenberg und in verschie- denen deutschen Städten, wie z.B. Wei- den in der Oberpflalz, zu halten. Außerdem wird er oft als Jurymitglied zu nationalen und internationalen Wettbewerben berufen.

Als Orgelsachverständiger beschäftigt er
sich, in Zusammenarbeit mit verschiedenen europäischen Orgelbauern, mit der Planung moderner Pfeifenorgeln. Durch diese Zusam- menarbeit sind verschiedene Instrumente ent- standen, so z. B. für die Kirche Santa Anastasia in Villasanta (Monza), Santa Maria delle Grazie al Naviglio (Mailand) sowie für die Kirche der Bruderschaft von Santa
Caterina d’Alessandria in Paternò (Sizilien).

Außerdem hat er seine Konzertorgel, genannt “Wanderer” entworfen, die derzeit größte transportable Orgel ist.

Webseite von Paolo Oreni

16.08.25 // 17.00 Uhr // Werner Koch & Florian Sauer // Rostock

Werner Koch wurde 1965 in Teterow geboren und erhielt den ersten Orgelunterricht in Teterow, Güstrow und Rostock (Wolfgang Leppin und Hartwig Eschenburg). Er studierte Kirchenmusik in Dresden (Hansjürgen Scholze) und Halle (Johannes Schäfer und Hans-Günther Wauer). „Virtuoses Orgelspiel“ und „Orgelimprovisation“ schloss er 1990 mit Auszeichnung ab. Er nahm an verschiedenen Orgelwettbewerben teil und gewann mehrere Preise, so u.a. den ersten Preis beim „Improvisationswettbewerb der Konzerthalle am Boulevard“ in Halle 1989 und den zweiten Preis beim 1. Internationalen Orgelwettbewerb der Max-Reger-Tage 1990 in Hamm (Westfalen).

Von 1990 bis 2010 war er Kirchenmusiker in Neubrandenburg, seit 2010 ist er in der katholischen Pfarrei Herz Jesu  in Rostock und seit 1995 als Regionalkirchenmusiker im Erzbistum Hamburg tätig. Vielfältige CD-Aufnahmen ergänzen seine Konzerttätigkeit im In- und Ausland.

Florian Sauer wurde in Malchin geboren. Er studierte zunächst Musik und Geschichte für das gymnasiale Lehramt an der Hochschule für Musik und Theater Rostock sowie an der Universität Rostock und schloss seine Studien mit dem ersten Staatsexamen ab. Anschließend studierte er an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Mannheim bei Prof. Timothy Sharp und Prof. Caroline Melzer Gesang, sowohl mit künstlerischem als auch mit künstlerisch-pädagogischem Schwerpunkt. Meisterkurse bei Jean-Noël Briend und Janice Dixon ergänzen seine Ausbildung. Musiktheaterengagements führten ihn bereits an Theatern wie dem Nationaltheater Mannheim, dem Theater Heidelberg, Theater Trier, u.a.. Im Konzertfach ist Florian Sauer mit den einschlägigen Partien seines Fachs, wie bspw. Bachs Kantaten und Oratorienwerken, zu hören. Neben Konzerten im Ostsee- und Südwestraum Deutschlands, war der Bariton bereits bei den Musikfestspielen in Dresden zu hören. Darüber hinaus ist Florian Sauer als Gesangspädagoge und Stimmbildner tätig. 

28.09.2025 // 17.00 Uhr // Silva Meschke // Leipzig
Silvan Meschke – Ein Shootingstar an der Orgel
Silvan Meschke ist ein aufstrebender Stern in der Welt der Orgelmusik, der die Herzen von Klassikfans im Sturm erobert. Mit nur 14 Jahren begann der talentierte junge Mann seinen ersten Orgelunterricht und setzte seine Ausbildung an der renommierten Kölner Musikhochschule bei Professor Wolfgang Abendroth fort, wo er 2023 sein Abitur ablegte.
Doch das war erst der Anfang von Silvans musikalischer Reise. Er vertiefte seine Fähigkeiten durch intensive Studien in Orgel und Improvisation bei Sebastian Küchler-Blessing, dem Domorganisten von Essen. Zusätzlich sammelte er erste Berufserfahrungen in der Kirchenmusik der Gemeinden St. Antonius und Benediktus in Düsseldorf.
Im Herbst 2024 begann Silvan sein Kirchenmusikstudium an der angesehenen Hochschule für Musik und Theater in Leipzig, wo er von Professor Martin Schmeding unterrichtet wird. Zudem konnte der junge Organist an Meisterkursen bei renommierten Persönlichkeiten wie Olivier Latry, Ben van Oosten, Hans Ola Ericsson und Léon Berben teilnehmen, die einen entscheidenden Einfluss auf seine künstlerische Entwicklung hatten.
Silvans herausragende Leistungen wurden mehrfach ausgezeichnet. Er ist Bundespreisträger beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ und erhielt einen Sonderpreis für die beste Interpretation eines Werks einer Komponistin. 2024 erzielte er zudem die Höchstpunktzahl von 25 Punkten in den Regional-, Landes- und Bundeswettbewerben für Orgel solo.
Mit seiner bemerkenswerten Leidenschaft und seinem beeindruckenden Können hat sich Silvan Meschke als vielversprechendes Talent in der Orgelwelt etabliert. Sein weiterer Werdegang verspricht, die Herzen der Musikliebhaber zu erobern.
26.10.2025 // 17.00 Uhr // Gereon Krahforst // Maria Laach
Gereon Krahforst – Ein vielseitiger Musiker mit beeindruckendem Werdegang
Gereon Krahforst wurde 1973 in Bonn geboren. Nach einer umfassenden frühen musikalischen Ausbildung und dem Abitur begann er 1990 ein Studium, das sich über ein Jahrzehnt erstreckte. Er studierte Komposition bei den renommierten Lehrern Hans Werner Henze und Günter Fork, außerdem Musikwissenschaft, Kirchenmusik, Klavier (bei Günter Ludwig und Roswitha Gediga) sowie Orgel in Köln und Frankfurt am Main. Vor seinem Studium erhielt er bereits Orgelunterricht von Markus Karas und John Birley, während des Studiums waren Clemens Ganz und Daniel Roth seine Orgellehrer.
Ergänzend zu seinem Studium absolvierte Krahforst zahlreiche Meisterkurse und private Studien bei international anerkannten Künstlern wie Marie-Claire Alain, Jon Laukvik, Petr Eben, Wolfgang Seifen, Tomasz A. Nowak, Franz Lehrndorfer und Bernhard Haas.
Nach Stationen als Kirchenmusiker in Bonn (Kreuzbergkirche), Mönchengladbach (Münsterbasilika), Minden (Dom) und als Domorganist in Paderborn wanderte Krahforst zunächst nach Südspanien aus. Dort diente er als Organist der national bedeutenden „Organo del Sol Mayor“ in Marbella an der Costa del Sol. Parallel zu dieser Tätigkeit lehrte er acht Jahre lang eine Orgel-Improvisationsklasse an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover.
Von 2012 bis 2014 war Krahforst als Cathedral Organist und Associate Director of Music an der Cathedral Basilica of Saint Louis, Missouri, einer der bedeutendsten katholischen Kathedralen Amerikas, tätig. Für diese herausragende Position erhielt er ein seltenes O-1B Visum, das nur Künstlern und Sportlern mit außergewöhnlichen Begabungen verliehen wird.
Aus familiären Gründen kehrte Krahforst im Sommer 2014 nach Deutschland zurück. Er war zunächst als Kirchenmusiker in Mettlach sowie freischaffend als Konzertorganist, Lehrer und Komponist tätig. Im April 2015 wurde er vom Benediktinerkonvent der weltberühmten Abtei Maria Laach als Abteiorganist und künstlerischer Leiter der Internationalen Laacher Orgelkonzerte berufen.
Neben seiner herausragenden Konzerttätigkeit hat Krahforst auch als Komponist beachtliche Erfolge vorzuweisen. Bereits 1987 gewann er als 14-Jähriger einen landesweiten Kompositionswettbewerb mit einem Konzert für Klavier und Orchester. Seitdem folgten weitere nationale und internationale Preise in den Bereichen Komposition, Klavier und Orgel. Zu seinem Œuvre zählen unter anderem eine Symphonie für 1-4 Orgeln, die er 2015 im Auftrag der Erzdiözese Freiburg zum 50-jährigen Bestehen der Domorgel schuf, sowie zahlreiche Chor- und Orgelwerke, die in deutschen, holländischen und amerikanischen Verlagen erschienen sind.
Konzertreisen führten Krahforst, anfänglich auch als Pianist, in viele bedeutende Kathedralen und Konzertsäle Europas, nach Südkorea und mehrfach in die USA, wo ihm die American Guild of Organists besondere Anerkennungen für seine Lehrtätigkeiten, Vorträge und Konzerte um Max Reger verlieh.
Sein vielseitiges musikalisches Wirken umfasst zudem CD-Aufnahmen, Fernseh- und Rundfunkauftritte sowie Tätigkeiten als Juror bei internationalen Wettbewerben. Darüber hinaus ist Gereon Krahforst Widmungsträger zahlreicher zeitgenössischer Werke, unter anderem von Rami Bar-Niv aus Israel.

Orgel CD 2024

Aus den fünf Konzerten des Jahres 2024 haben wir wie bereits 2023 eine CD zusammen gestellt. Die CD enthält Aufnahmen von Matthias Eisenberg, Jan Liebermann, Winfried Dahlke ( aus einem Konzert im September 2023) und Michael Culo.

Die CD kann für  5 Euro bei allen Veranstaltung der Kirchengemeinde oder im Kirchenbüro zu den üblichen Öffnungszeiten erworben werden. Für eine Bestellung benutzen Sie bitte unser Kontaktformular.

Klangbeispiel

von Johann Sebastian Bach, Toccata d-moll | Matthias Eisenberg

Konzertberichte 2024

Abschlusskonzert mit Matthias Eisenberg: Geniale Fingerfertigkeit und Hingabe

Nordstemmen – Matthias Eisenberg gilt als Legende der Orgelmusik. 2023 hat der 68-Jährige erstmals das Publikum in der Nordstemmer St. Johanniskirche mit seinem virtuosen Spiel und seinen Improvisationen begeistert. Jetzt hat der Organist erneut für ein volles Gotteshaus und musikalischen Hochgenuss an der Furtwängler-Orgel gesorgt. Pastor Kay Oppermann zeigte sich „überglücklich“, dass der „große Meister“ wieder den langen Weg nach Nordstemmen auf sich genommen habe.

Mit dem hochkarätigen Konzert des international renommierten Orgelsolisten ist die zweite Auflage des Nordstemmer Orgelsommers unter großem Applaus zu Ende gegangen. Wer auf die Improvisationen gespannt war, musste sich bis zum zweiten Teil des Konzertprogramms gedulden. Erst nach der Pause zog Eisenberg alle Register und erfreute die im Kirchenschiff versammelten Orgelmusikliebhaber mit einer aus Einzugsmarsch, Adagio, Scherzo, Pas de Deux und Finale bestehenden Ballett-Suite in fünf Sätzen, denen allesamt Improvisationen zu bekannten Kirchenliedern zugrunde lagen – von „Großer Gott wir loben Dich“ über das „Ave Maria“ bis hin zum Gotteslob „Te Deum laudamus“. Aber bereits mit den ersten Takten zeigte der Orgelvirtuose, der im Alter von fünf Jahren mit dem Klavierspiel begonnen hat und bereits vier Jahre später, als Neunjähriger, in seine Kirchenmusiker-Karriere als Organist verschiedener Kirchengemeinde startete, welch faszinierende Fülle an Klangfarben in dem 1864 gebauten Instrument steckt.

Einen besseren Auftakt als die Fanfarenklänge aus Johann Sebastian Bachs vermutlich bekanntestem Orgelwerk, der „Toccata con Fuga in d-Moll“ (BWV 565) hätte der Konzertabend kaum haben können. Große Hingabe und geniale Fingerfertigkeit machten auch aus den folgenden Stücken ein besonderes Erlebnis. So zart-gefühlvoll wie tief berührend präsentierte Eisenberg „Prélude, Fuge et Variation“ (Op 18) aus der Feder des französischen Komponisten César Franck. Die folgenden Töne, mit denen der Meister das Kirchenschiff erfüllte, gingen ebenfalls zu Herzen. Aus den „24 Pièces en style libre“ von Louis Vierne hatte Eisenberg opus 31 mitgebracht, ein traumschönes Wiegenlied, auf Französisch: „Berceuse“.

Federleicht und scheinbar mühelos begeisterte Eisenberg auch mit der Orgelversion der Bachkantate „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ (BWV 645). Kein einziger langweiliger Ton – das gilt auch für die beeindruckende Art und Weise, wie der gebürtige Dresdner den Spätromantiker Max Reger interpretierte, von dem er Toccata und Fuge on d-Moll (Op 59, Nr. 5 und 6) mitgebracht hatte. Großer Applaus, in den der Kirchenmusiker Stefan Polster eingeschlossen war. Polster hatte als Registrant gezeigt, dass Orgelspiel bisweilen auch Teamarbeit bedeutet.

Text und Bild: Ann Katrin Oelkers, LDZ

Paolo Oreni begeistert Publikum mit Livemusik zum Film Nosferatu

Ein Film ohne Gespräche, ohne Geräusche, ohne Musik, ohne Ton? Fast 130 Jahre nach der Geburtsstunde des Mediums Films ist das für uns kaum mehr vorstellbar. Doch auch wenn die Schauspieler auf der Leinwand in den Anfängen des Kinos stumm blieben – muxmäuschenstill war selbst zu Stummfilm-Zeiten ein Kinobesuch nicht. Klavierspieler begleiteten die Szenen mit Musik.

Was aus der Zeit gefallen wirkt, ist auch heute noch ein faszinierendes Erlebnis wie ein besonderer Abend in der St. Johanniskirche gezeigt hat. In den Hauptrollen: Paolo Oreni, die 1864 gebaute Furtwängler-Orgel und ein Stummfilm-Horror-Klassiker aus der gesellschaftlichen Umbruchzeit der Roaring Twenties, „Nosferatu. Eine Symphonie des Grauens“. Der als Organist international bekannte Italiener, der als Elfjähriger mit dem Orgelspiel begonnen hat, hat sich unter anderem der musikalischen Untermalung von Stummfilmen verschrieben und zwischen zwei Konzerten erstmals Station in Nordstemmen gemacht. „Seine Partitur ist der Bildschirm, jeder Ton, jede Klangfarbe, jede Melodie entsteht im Augenblick“, stimmte Pastor Kay Oppermann das Publikum auf den hochkarätigen Abend im Zeichen der früher einmal in den Kinosälen gepflegten „hohen Kunst“ der Live-Vertonungen ein. Die Befürchtungen von Stefan Polster, Kirchenmusiker und musikalischer Leiter der Reihe Nordstemmer Orgelmusiken, der Abend könne auf Desinteresse stoßen, erwiesen sich als unbegründet. Nur wenige der im Halbrund um die große Leinwand arrangierten Stühle waren frei geblieben.

Dass Paolo Oreni nur wenige Stunden vor dem Event zum ersten Mal an der Furtwängler-Orgel aus der Zeit der Romantik Platz genommen hatte, war in keiner Sekunde zu spüren. Es sei ein besonderes Instrument, „ganz phantasisch“, schwärmte der Organist kurz bevor er Beginn der Aufführung. Den Film „Nosferatu“, der anstelle von Notenblättern über den Bildschirm flimmerte, hat er schon oft gesehen. Besondere Herausforderung beim Orgelkino für ihn ist, dass die Farbe einer Orgel jedes Mal anders klingt, er aus der breiten Palette an Klangfarben die für das Geschehen auf der Leinwand passende finden muss.

Um es kurz zu machen: Oreni meisterte die Aufgabe mit Bravour und lieferte zu den düster-expressionistischen Szenen der Vampirgeschichte den passenden, atmosphärisch -dichten Sound. Das Werk um die dämonische Hauptfigur, um traumatische Seelenzustände und das uralt-zeitlose Thema vom Kampf Gut gegen Böse untermalte der Organist mal infernalisch dröhnend, laut und intensiv, mal mit zart schwebenden Tönen. Stimmungen, Schrecken und Schauder verstärkte er dann und wann auch mit messerscharfen Klängen, bei denen Erinnerungen an einen anderen Klassiker des Grusel-Genres wach wurden, an Alfred Hitchcocks „Psycho“ und den kalt-kreischenden Violinen-Sound aus der ikonischen Duschszene.

Die Live-Improvisation von Paolo Oreni schlug nicht nur einen meisterhaften Spannungsbogen zwischen den Kunstformen Musik und Film, zwischen Vergangenem und Gegenwärtigem. Sie zeigte auch den Facettenreichtum und vielfältige Ausdrucksmöglichkeiten der Furtwängler-Orgel auf beeindruckende Weise. Das Publikum bedankte sich für das einmalige Kulturerlebnis mit großem Applaus. (Text und Bild: Ann-Cathrin Oelker, LDZ)

Michael Culos Medley zum Gesangbuchjubiläum lässt Hörer:innen Melodien such

Mit einer Eigenkomposition zum 500-jöhrigen Jubiläum des Evangelischen Gesangbuchs schloss Domkantor Michael Čulo sein Orgelkonzert am 1.9. in der St. Johannis-Kirche ab. Der 1980 geborene Musiker und Komponist hatte zehn bekannte Gesangbuchlieder in seiner Komposition für die Evangelische Kirche in Deutschland versteckt und lud die Konzertbesucher zum Raten ein. Niemand hatte schließlich alle Lieder entdeckt, da manche kunstvoll in das Orgelwerk eingewoben waren.

Zum Konzert war Michael Čulo zusammen mit seiner Frau Kirchenmusikdirektorin Angelika Rau-Čulo gekommen. Diese hatte nicht nur im letzten Jahr ein Konzert in Nordstemmen gespielt, sondern visitiert aktuell alle Musikgruppen der Kirchengemeinde.

Jan Liebermann erweckt aller Meister zu neuem Leben

Barockmusik möchte vermutlich am liebsten auf einer Barockorgel wiedergegeben werden, zumindest macht ein stilistisch definiertes Instrument dem Organisten das Spiel erheblich leichter. Die gut 160 Jahre alte Furtwängler-Orgel in der Nordstemmer St. Johanniskirche ist stilistisch breiter aufgestellt, auf Romantik wie auf Barock. Den klanglichen Idealen aus der Blütezeit des Instruments nahezukommen, wird dadurch anspruchsvoller. Vor rund 80 Musikliebhabern meisterte Ausnahmetalent Jan Liebermann alle Herausforderungen mit Bravour.

Der bald 19-Jährige ist der Shooting-Star in der Orgelszene, hat national wie international bereits viele Preise für sein hervorragendes Spiel gewonnen und überzeugte auch seine Zuhörer in St. Johannis. Wie er am Rande des Konzerts verriet, ist er kein Fußball-Fan. Den Fußballbegeisterten im Publikum, die zwischen EM-Finale vor dem heimischen Fernseher und Konzertbesuch geschwankt hatten, versprach Pastor Kay Oppermann nicht zu viel, als er zur Begrüßung versicherte: „Sie haben sich richtig entschieden.“

Unter der Überschrift „Alte Meister in neuer Frische“ hatte Jan Liebermann unter anderem die imposant-würdevolle Toccata und Fuge in a-moll von Bachs Lieblingsschüler Johann Ludwig Krebs (1713-1780) im Gepäck. Was dann folgte, holte den Frühling und ein Stück Natur in die Kirche. Mit dem zauberhaft interpretierten „Capriccio sopra il cucu“, einem Kuckucksruf aus den Orgelpfeifen aus der Feder Johann Kerlls (1627-1693) verbreitete der junge Organist fröhliche Leichtigkeit. So souverän wie virtuos nahm sich der 18-Jährige auch Großmeister Bach (1685-1750) vor. Das Publikum freute sich an der gehörigen Portion Musikalität, mit der Liebermann die Sonate Nr 3 in d-Moll (BWV 527) eine der sechs von Bach als technisch anspruchsvolles Unterrichtsmaterial für seinen Sohn Friedemann komponierten Triosonaten – mit Leben füllte.

Nach der Pause ging es weiter in Moll und einem Himmel voller Geigen. Arrangeur Guy Bovet hatte Vivaldis (1678-1741) Konzert in h-Moll op. 3 Nr. 10 für Violinen auf die Klangmöglichkeiten der Königin unter den Instrumenten übertragen. Aus Italien mitgebracht hatte der Gast aus dem Hessischen, der im Sommersemester 2020 als Jungstudent in die Young Academy der HfMDK Frankfurt am Main in die Orgelklasse aufgenommen wurde und neben dem Orgelstudium im kommenden Jahr sein Abi bauen will, außerdem Frühbarockes von Girolamo Frescobaldi ( 1583-1643). Nach den fein ausgearbeiteten Toccaten ging es mit einer Toccata weiter, nun von Bach. Mit Adagio und Fuge in C-Dur (BWV 564) war das hörenswerte Konzert aber noch nicht vorbei. Ohne eine Zugabe, wollte das begeisterte Publikum Jan Liebermann nicht gehen lassen.

Text und Bild: Ann Cathrin Oelkers

Hanna Jursch und Tobias Langwisch begeistern mit Pop und Jazz in Nordstemmen

Nordstemmen. Ein sanfter Orgelton ist zu hören. Danach einzelne Facetten, jetzt werden es Klanggebilde. Dann kommt ein Gurgeln, Schnalzen, Stimmpercussion. Neue Klänge formen sich ganz langsam zu einer Melodie. Irgendwann ist sie hörbar, nein erlebbar, die Tonfolge von „Mercy is falling“. Ein Erlebnis.

 Am Sonntag, den 9. Juni nahmen Hanna Jursch und Tobias Langwisch 60 Hörerinnen und Hörer beim ersten Konzert der Reihe von Nordstemmer Orgelmusiken in der St. Johanniskirche auf eine Reise mit ungewohnten Klängen. 

Perfekte Harmonie

Die beiden Kirchenkreiskantoren hatten eigens für das Konzert neue Arrangements geschaffen und präsentierten barocke Gesänge von John Dowland ebenso wie Filmmusik von Stefan Nilsson in perfekter Harmonie. Hanna Jursch nahm mit ihrer ausdrucksstarken und über mehrere Oktaven reichenden Stimme vom ersten Ton die große Nordstemmer Kirche ein. Das kam bei den Hörerinnen und Hörern sehr gut an. Jedes Lied wurde mit begeistertem Einzelapplaus gewürdigt.

Jeder Fuß wippte mit

Den zweiten Teil ihres Konzertes musizierten die für den Kirchenkreis Hildesheimer Land-Alfeld tätigen Kantoren statt an der Orgel mitten im Publikum. Nun wippte jeder Fuß bei Curtis Meyfields „People Get Ready“ mit. Zudem zeigten Hanna Jursch und Tobias Langwisch auch, was in manch altem Kirchenlied steckt. So mitreißend hatten wohl niemand „Du meine Seele singe“ jemals gehört. Zwischendurch entlockte Tobias Langwisch dem romantischen Instrument des Elzer Orgelbauers Philip Furtwängler mit einem Satz aus Leon Boellmanns „Suite Gothique“ einen sanften Klangteppich. Ein Klang wie aus einer anderen Welt.

Mehrere Minuten Applaus

Nach mehreren Minuten Applaus gab Hanna Jursch zu: „Wir hatten noch nicht einmal Zeit, eine Zugabe einzuüben. So beschäftigt waren wir mit dem Programm.“ Selbstverständlich gab es dann doch eine Zugabe und von Nordstemmens Pastor Kay Oppermann als kleinen Dank für ein großes Konzert eine Kopfbedeckung mit Nordstemmer Kirchenlogo.

Die Orgel

Die Disposition

Hauptwerk: Bordun 16′ Principal 8’ Gamba 8’ Rohrflöte 8’ Octav 4’ Octav 2’ Trompete 8’ Rohrflöte 4’ Spitzquinte 2 2/3´ Mixtur 4-fach

Schwellwerk: Spitzflöte 8´ (schwebend) Geigen Prinzipal 8’ Salicional 8’ Gedact 8’ Clarinette 8’ Gedactflöte 4’ Gemshorn 4’

Pedal: Subbass 16′ Violonbass 16′ Posaunenbass 16′ Principalbass 8’ Bordun 8′ Octav 4’

Infos zum Instrument

Die Orgel in der St. Johanniskirche ist (nach Gronau/Leine) das an der Registerzahl gemessen drittgrößte Instrument aus der Orgelbauwerkstatt von Philipp Furtwängler aus Elze.

Die Orgel besitzt seit der Bauzeit 23 Registern und 1259 Pfeifen und erklang zum ersten Mal im Sommer 1864. Das Werk Furtwänglers fand seinen Platz auf der Westempore der zwei Jahre alten Kirche von Konsistorialbaumeister Ludwig Hellner aus dem Jahr 1862. Der Prospekt im neogotischen Stil stammt vom Architekten Wilhelm Tochtermann aus Hildesheim.

Die größten Pfeifen der Orgel ist 5,30 m lang, die kleinste 1 cm. Die Orgel wurde im Jahr 2001 von der Firma Hillebrand gründlich gereinigt und in einen klanglich nahen sowie technisch mustergültigen Zustand zurück geführt. Die Orgel ist vollmechanisch mit Schleifladen ausgelegt. Das elektrische Gebläse der Orgel mit einer einfachen Schöpf- und Faltenbalganlage befindet sich in einem hinter der Orgel gelegenen Turmraum.

Klangbeispiele

Johann Sebastian Bach - Sonate Nr. 3 d-moll BWV 527

von Jan Liebermann | Furtwängler Orgel von 1864

Johann Heinrich Knecht - Cantabile aus B-Dur Larghetto

von LKMD Winfried Dahlke | Furtwängler Orgel von 1864

Johann Heinrich Knecht - Rondo aus G-Dur

von LKMD Winfried Dahlke | Furtwängler Orgel von 1884

Johann Sebastian Bach / Adagio in d-moll BWV 593

von Werner Koch | Konzert am 12.8.2023

Improvisation: Gebet und Toccata

von Werner Koch | Konzert am 12.8.2023

Improvisation: Französische Overtüre

von Werner Koch | Konzert am 12.8.2023

Improvisation: Siciliano

von Werner Koch | Konzert am 12.8.2023

Stefan Polster

Kirchenmusiker Stefan Polster ist bei den Sommermusiken für die musikalische Leitung und als Orgelbauer auch für das Wohlergehen des Instrumentes zuständig.

Kontakt: Stefan.Polster-Hildesheim@t-online.de

Kay Oppermann

Als Pastor der Kirchengemeinde St. Johannis Nordstemmen kümmert sich Kay Oppermann um die Organisation der Konzerte und die Öffentlichkeitsarbeit.

Kontakt: kay.oppermann@evlka.de