Orgelmusiken

in Nordstemmen 2026
OrgelTermine

Fünf Konzerte 2026

Die St. Johannis Kirchengemeinde lädt im Sommer 2026 zum vierten Mal zu Orgelkonzerten mit internationalen Künstler:innen ein. Zu den einzelnen Veranstaltungen finden Sie auf dieser Seite informationen zu den einzelnen Künstler:innen sowie kurz vor den Konzerten das jeweilige Programm. 

Die Kirchengemeinde

Die St. Johannis Kirchengemeinde Nordstemmen hat eine lange musikalische Tradition. Für die modernen Gottesdienste „alive, „kreuz & quer“ und „3/17“ haben sich jeweils eine Band gebildet. Die Kirchenchöre der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde singen gemeinsam. Die Orgelmusik wurde bekannt durch Formate wie „Große Musik in kleiner Kirche“.

26. April 2026 // 17.00 Uhr // Enno Gröhn // Norderstedt

Der Norderstedter Konzertorganist Enno Gröhn wird die Orgelmusiken 2026 in St. Johannis eröffnen. Am 26.4. um 17.00 Uhr spielt der 2026 als Organist an der Universitätskirche tätige Orgelvirtuose auf der Furtwängler-Orgel aus dem Jahr 1864. Enno Gröhn wurde 1996 in Bad Segeberg geboren, studierte Evangelische Kirchenmusik in Hamburg und schloss seine Ausbildung 2024 mit Auszeichnungen in Orgel und Orgelimprovisation ab.

Er ist mehrfacher Preisträger verschiedener bedeutender Orgelimprovisationswettbewerbe. Neben seiner Konzerttätigkeit im In- und Ausland unterrichtet er Orgelimprovisation an den Musikhochschulen in Hamburg und Hannover sowie außerhalb in Workshops und Orgelkursen.

31. Mai 2026 // 17.00 Uhr // Maurice Clerc // Dijon (Frankreich)

Am 31.5. ist um 17 Uhr Maurice Clerc emeritieter Organist der Kathedrale von Dijon, Frankreich zu hören. Clerk gab rund 1300 Konzerte in mehr als zwanzig Ländern – allein sechzehn Tourneen führten ihn nach Nordamerika (U.S.A. und Kanada).

Seine breite Diskographie enthält unter anderem die Orgelwerke Bachs und Cesar Francks.

27. September 2026 // 17.00 Uhr // Loreto Aramendi // San Sebastian (Spanien)

Am 27.9. um 17.00 Uhr ist die spanische Organistin Loreto Aramendi aus San Sebastian an der romanischen Orgel in St. Johannis zu Gast.

Bereits 2025 begeisterte die Konzertorganistin und Orgelprofessorin mit virtuosen Werken der Romantik und bringt 2026 ein Programm mit heiteren Werken mit.

25. Oktober 2026 // 17.00 Uhr // Florian Sauer & Matthias Eisenberg
Am 25.10. führen der Bariton Florian Sauer und der weltbekannte Orgelvirtuose Matthias Eisenberg die Bachkantate “Ich habe genug” (BWV 82) auf. Daneben werden Werke für Sologesang und Orgel zu hören sein.

Der ehemalige Leipziger Gewandhausorganist Eisenberg ist bereits zum dritten Mal bei den Nordstemmer Sommermusiken zu hören und begeistert das Publikum immer weider durch seine Improvisationskunst.

Auch Florian Sauer ist den Besucher:innen in Nordstemmen durch bereits durch zwei Auftritten bekannt. Neben Konzerten im Ostsee- und Südwestraum Deutschlands, war der Bariton bereits bei den Musikfestspielen in Dresden zu hören. Darüber hinaus ist Florian Sauer als Gesangspädagoge und Stimmbildner tätig.

29. November 2026 // 17.00 Uhr // Laurent Jochum // Paris (Frankreich)

Die Reihe der Orgelmusiken beschließt am 29.11. um 17 Uhr der Pariser Musiker Laurent Jochum. Er ist Organist an Cavaillé-Coll Orgel der Kirche Saint Jean-Baptiste Belleville.

Als Organist der großen Orgel Cavaillé-Coll der Kirche Saint Jean-Baptiste Belleville in Paris, wo er die Nachfolge von großen Musikern wie Pierre Vidal antritt, und von der Orgel der Kapelle des collège und des lycée Saint Louis-de-Gonzague, verfolgt Laurent Jochum seit über 20 Jahren eine besonders vielfältige Karriere.

Aufgewachsen in Thionville, entdeckt er als Sohn und Enkel von Kirchenorganisten von klein auf das Orgelspielen. Am Anfang seines Musikstudiums lernt er Klavier, bevor er der Orgelklasse von Raphaëlle Garreau de Labarre beitritt. Es folgen Studien bei André Stricker beim Konservatorium von Strasbourg und bei Louis Robilliard in Lyon, wo er mit Glückwünschen und einstimmigem Einverständnis der Jury einen ersten Preis und den Perfektionspreis erhält.

Orgel CD 2025

Aus den fünf Konzerten des Jahres 2025 haben wir wie bereits 2023 und 2024 eine CD zusammen gestellt. Die CD enthält Aufnahmen von Matthias Eisenberg, Paolo Oreni, Loreto Aramendi, Werner Koch und Gereon Krahforst.

Die CD kann für  5 Euro bei allen Veranstaltung der Kirchengemeinde oder im Kirchenbüro zu den üblichen Öffnungszeiten erworben werden. Für eine Bestellung benutzen Sie bitte unser Kontaktformular.

Unterstützung erbeten

Liebe Konzertbesucher,

die Orgelkonzerte in St. Johannis leben von Ihrer Wertschätzung und Unterstützung. Um auch im kommenden Jahr 2026 hochkarätige Künstler nach Nordstemmen einladen zu können, bitten wir Sie auch dieses Mal wieder herzlich um Ihre großzügige Spende. Jeder Beitrag – ob klein oder groß – hilft uns, diese besondere Konzertreihe fortzuführen und die Orgelkultur mit unserer herausragenden Furtwängler-Orgel in unserer Region lebendig zu halten.

Den Fortbestand dieses kulturhistorisch immanent wichtigen Unterfangens sicherzustellen ist ein Stück unserer gesellschaftlichen Verantwortung – über den rein kirchlich geographischen Rahmen hinaus.

Besonders dankbar wären wir auch für Angebote zur Beherbergung unserer teils international konzertierenden Künstler.
Die persönliche Gastfreundschaft schafft nicht nur eine besondere Atmosphäre für die Musiker, sondern ermöglicht es uns auch, mehr Mittel direkt in die künstlerische Qualität unserer Konzerte zu investieren.

Für Ihre Unterstützung – ob finanziell oder durch Ihre Gastfreundschaft – danken wir Ihnen von Herzen. Sprechen Sie uns gerne nach dem Konzert an oder kontaktieren Sie uns über das Gemeindebüro.

Mit musikalischen Grüßen,
Ihr Konzertteam St. Johannis

November 2024: Abschlusskonzert mit Matthias Eisenberg: Geniale Fingerfertigkeit und Hingabe

Nordstemmen – Matthias Eisenberg gilt als Legende der Orgelmusik. 2023 hat der 68-Jährige erstmals das Publikum in der Nordstemmer St. Johanniskirche mit seinem virtuosen Spiel und seinen Improvisationen begeistert. Jetzt hat der Organist erneut für ein volles Gotteshaus und musikalischen Hochgenuss an der Furtwängler-Orgel gesorgt. Pastor Kay Oppermann zeigte sich „überglücklich“, dass der „große Meister“ wieder den langen Weg nach Nordstemmen auf sich genommen habe.

Mit dem hochkarätigen Konzert des international renommierten Orgelsolisten ist die zweite Auflage des Nordstemmer Orgelsommers unter großem Applaus zu Ende gegangen. Wer auf die Improvisationen gespannt war, musste sich bis zum zweiten Teil des Konzertprogramms gedulden. Erst nach der Pause zog Eisenberg alle Register und erfreute die im Kirchenschiff versammelten Orgelmusikliebhaber mit einer aus Einzugsmarsch, Adagio, Scherzo, Pas de Deux und Finale bestehenden Ballett-Suite in fünf Sätzen, denen allesamt Improvisationen zu bekannten Kirchenliedern zugrunde lagen – von „Großer Gott wir loben Dich“ über das „Ave Maria“ bis hin zum Gotteslob „Te Deum laudamus“. Aber bereits mit den ersten Takten zeigte der Orgelvirtuose, der im Alter von fünf Jahren mit dem Klavierspiel begonnen hat und bereits vier Jahre später, als Neunjähriger, in seine Kirchenmusiker-Karriere als Organist verschiedener Kirchengemeinde startete, welch faszinierende Fülle an Klangfarben in dem 1864 gebauten Instrument steckt.

Einen besseren Auftakt als die Fanfarenklänge aus Johann Sebastian Bachs vermutlich bekanntestem Orgelwerk, der „Toccata con Fuga in d-Moll“ (BWV 565) hätte der Konzertabend kaum haben können. Große Hingabe und geniale Fingerfertigkeit machten auch aus den folgenden Stücken ein besonderes Erlebnis. So zart-gefühlvoll wie tief berührend präsentierte Eisenberg „Prélude, Fuge et Variation“ (Op 18) aus der Feder des französischen Komponisten César Franck. Die folgenden Töne, mit denen der Meister das Kirchenschiff erfüllte, gingen ebenfalls zu Herzen. Aus den „24 Pièces en style libre“ von Louis Vierne hatte Eisenberg opus 31 mitgebracht, ein traumschönes Wiegenlied, auf Französisch: „Berceuse“.

Federleicht und scheinbar mühelos begeisterte Eisenberg auch mit der Orgelversion der Bachkantate „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ (BWV 645). Kein einziger langweiliger Ton – das gilt auch für die beeindruckende Art und Weise, wie der gebürtige Dresdner den Spätromantiker Max Reger interpretierte, von dem er Toccata und Fuge on d-Moll (Op 59, Nr. 5 und 6) mitgebracht hatte. Großer Applaus, in den der Kirchenmusiker Stefan Polster eingeschlossen war. Polster hatte als Registrant gezeigt, dass Orgelspiel bisweilen auch Teamarbeit bedeutet.

Text und Bild: Ann Katrin Oelkers, LDZ

Oktober 2024: Paolo Oreni begeistert Publikum mit Livemusik zum Film Nosferatu

Ein Film ohne Gespräche, ohne Geräusche, ohne Musik, ohne Ton? Fast 130 Jahre nach der Geburtsstunde des Mediums Films ist das für uns kaum mehr vorstellbar. Doch auch wenn die Schauspieler auf der Leinwand in den Anfängen des Kinos stumm blieben – muxmäuschenstill war selbst zu Stummfilm-Zeiten ein Kinobesuch nicht. Klavierspieler begleiteten die Szenen mit Musik.

Was aus der Zeit gefallen wirkt, ist auch heute noch ein faszinierendes Erlebnis wie ein besonderer Abend in der St. Johanniskirche gezeigt hat. In den Hauptrollen: Paolo Oreni, die 1864 gebaute Furtwängler-Orgel und ein Stummfilm-Horror-Klassiker aus der gesellschaftlichen Umbruchzeit der Roaring Twenties, „Nosferatu. Eine Symphonie des Grauens“. Der als Organist international bekannte Italiener, der als Elfjähriger mit dem Orgelspiel begonnen hat, hat sich unter anderem der musikalischen Untermalung von Stummfilmen verschrieben und zwischen zwei Konzerten erstmals Station in Nordstemmen gemacht. „Seine Partitur ist der Bildschirm, jeder Ton, jede Klangfarbe, jede Melodie entsteht im Augenblick“, stimmte Pastor Kay Oppermann das Publikum auf den hochkarätigen Abend im Zeichen der früher einmal in den Kinosälen gepflegten „hohen Kunst“ der Live-Vertonungen ein. Die Befürchtungen von Stefan Polster, Kirchenmusiker und musikalischer Leiter der Reihe Nordstemmer Orgelmusiken, der Abend könne auf Desinteresse stoßen, erwiesen sich als unbegründet. Nur wenige der im Halbrund um die große Leinwand arrangierten Stühle waren frei geblieben.

Dass Paolo Oreni nur wenige Stunden vor dem Event zum ersten Mal an der Furtwängler-Orgel aus der Zeit der Romantik Platz genommen hatte, war in keiner Sekunde zu spüren. Es sei ein besonderes Instrument, „ganz phantasisch“, schwärmte der Organist kurz bevor er Beginn der Aufführung. Den Film „Nosferatu“, der anstelle von Notenblättern über den Bildschirm flimmerte, hat er schon oft gesehen. Besondere Herausforderung beim Orgelkino für ihn ist, dass die Farbe einer Orgel jedes Mal anders klingt, er aus der breiten Palette an Klangfarben die für das Geschehen auf der Leinwand passende finden muss.

Um es kurz zu machen: Oreni meisterte die Aufgabe mit Bravour und lieferte zu den düster-expressionistischen Szenen der Vampirgeschichte den passenden, atmosphärisch -dichten Sound. Das Werk um die dämonische Hauptfigur, um traumatische Seelenzustände und das uralt-zeitlose Thema vom Kampf Gut gegen Böse untermalte der Organist mal infernalisch dröhnend, laut und intensiv, mal mit zart schwebenden Tönen. Stimmungen, Schrecken und Schauder verstärkte er dann und wann auch mit messerscharfen Klängen, bei denen Erinnerungen an einen anderen Klassiker des Grusel-Genres wach wurden, an Alfred Hitchcocks „Psycho“ und den kalt-kreischenden Violinen-Sound aus der ikonischen Duschszene.

Die Live-Improvisation von Paolo Oreni schlug nicht nur einen meisterhaften Spannungsbogen zwischen den Kunstformen Musik und Film, zwischen Vergangenem und Gegenwärtigem. Sie zeigte auch den Facettenreichtum und vielfältige Ausdrucksmöglichkeiten der Furtwängler-Orgel auf beeindruckende Weise. Das Publikum bedankte sich für das einmalige Kulturerlebnis mit großem Applaus. (Text und Bild: Ann-Cathrin Oelker, LDZ)

September 2024: Michael Culos Medley zum Gesangbuchjubiläum lässt Hörer:innen Melodien such

Mit einer Eigenkomposition zum 500-jöhrigen Jubiläum des Evangelischen Gesangbuchs schloss Domkantor Michael Čulo sein Orgelkonzert am 1.9. in der St. Johannis-Kirche ab. Der 1980 geborene Musiker und Komponist hatte zehn bekannte Gesangbuchlieder in seiner Komposition für die Evangelische Kirche in Deutschland versteckt und lud die Konzertbesucher zum Raten ein. Niemand hatte schließlich alle Lieder entdeckt, da manche kunstvoll in das Orgelwerk eingewoben waren.

Zum Konzert war Michael Čulo zusammen mit seiner Frau Kirchenmusikdirektorin Angelika Rau-Čulo gekommen. Diese hatte nicht nur im letzten Jahr ein Konzert in Nordstemmen gespielt, sondern visitiert aktuell alle Musikgruppen der Kirchengemeinde.

Juni 2024: Jan Liebermann erweckt aller Meister zu neuem Leben

Barockmusik möchte vermutlich am liebsten auf einer Barockorgel wiedergegeben werden, zumindest macht ein stilistisch definiertes Instrument dem Organisten das Spiel erheblich leichter. Die gut 160 Jahre alte Furtwängler-Orgel in der Nordstemmer St. Johanniskirche ist stilistisch breiter aufgestellt, auf Romantik wie auf Barock. Den klanglichen Idealen aus der Blütezeit des Instruments nahezukommen, wird dadurch anspruchsvoller. Vor rund 80 Musikliebhabern meisterte Ausnahmetalent Jan Liebermann alle Herausforderungen mit Bravour.

Der bald 19-Jährige ist der Shooting-Star in der Orgelszene, hat national wie international bereits viele Preise für sein hervorragendes Spiel gewonnen und überzeugte auch seine Zuhörer in St. Johannis. Wie er am Rande des Konzerts verriet, ist er kein Fußball-Fan. Den Fußballbegeisterten im Publikum, die zwischen EM-Finale vor dem heimischen Fernseher und Konzertbesuch geschwankt hatten, versprach Pastor Kay Oppermann nicht zu viel, als er zur Begrüßung versicherte: „Sie haben sich richtig entschieden.“

Unter der Überschrift „Alte Meister in neuer Frische“ hatte Jan Liebermann unter anderem die imposant-würdevolle Toccata und Fuge in a-moll von Bachs Lieblingsschüler Johann Ludwig Krebs (1713-1780) im Gepäck. Was dann folgte, holte den Frühling und ein Stück Natur in die Kirche. Mit dem zauberhaft interpretierten „Capriccio sopra il cucu“, einem Kuckucksruf aus den Orgelpfeifen aus der Feder Johann Kerlls (1627-1693) verbreitete der junge Organist fröhliche Leichtigkeit. So souverän wie virtuos nahm sich der 18-Jährige auch Großmeister Bach (1685-1750) vor. Das Publikum freute sich an der gehörigen Portion Musikalität, mit der Liebermann die Sonate Nr 3 in d-Moll (BWV 527) eine der sechs von Bach als technisch anspruchsvolles Unterrichtsmaterial für seinen Sohn Friedemann komponierten Triosonaten – mit Leben füllte.

Nach der Pause ging es weiter in Moll und einem Himmel voller Geigen. Arrangeur Guy Bovet hatte Vivaldis (1678-1741) Konzert in h-Moll op. 3 Nr. 10 für Violinen auf die Klangmöglichkeiten der Königin unter den Instrumenten übertragen. Aus Italien mitgebracht hatte der Gast aus dem Hessischen, der im Sommersemester 2020 als Jungstudent in die Young Academy der HfMDK Frankfurt am Main in die Orgelklasse aufgenommen wurde und neben dem Orgelstudium im kommenden Jahr sein Abi bauen will, außerdem Frühbarockes von Girolamo Frescobaldi ( 1583-1643). Nach den fein ausgearbeiteten Toccaten ging es mit einer Toccata weiter, nun von Bach. Mit Adagio und Fuge in C-Dur (BWV 564) war das hörenswerte Konzert aber noch nicht vorbei. Ohne eine Zugabe, wollte das begeisterte Publikum Jan Liebermann nicht gehen lassen.

Text und Bild: Ann Cathrin Oelkers

Mai 2024: Hanna Jursch und Tobias Langwisch begeistern mit Pop und Jazz in Nordstemmen

Nordstemmen. Ein sanfter Orgelton ist zu hören. Danach einzelne Facetten, jetzt werden es Klanggebilde. Dann kommt ein Gurgeln, Schnalzen, Stimmpercussion. Neue Klänge formen sich ganz langsam zu einer Melodie. Irgendwann ist sie hörbar, nein erlebbar, die Tonfolge von „Mercy is falling“. Ein Erlebnis.

 Am Sonntag, den 9. Juni nahmen Hanna Jursch und Tobias Langwisch 60 Hörerinnen und Hörer beim ersten Konzert der Reihe von Nordstemmer Orgelmusiken in der St. Johanniskirche auf eine Reise mit ungewohnten Klängen. 

Perfekte Harmonie

Die beiden Kirchenkreiskantoren hatten eigens für das Konzert neue Arrangements geschaffen und präsentierten barocke Gesänge von John Dowland ebenso wie Filmmusik von Stefan Nilsson in perfekter Harmonie. Hanna Jursch nahm mit ihrer ausdrucksstarken und über mehrere Oktaven reichenden Stimme vom ersten Ton die große Nordstemmer Kirche ein. Das kam bei den Hörerinnen und Hörern sehr gut an. Jedes Lied wurde mit begeistertem Einzelapplaus gewürdigt.

Jeder Fuß wippte mit

Den zweiten Teil ihres Konzertes musizierten die für den Kirchenkreis Hildesheimer Land-Alfeld tätigen Kantoren statt an der Orgel mitten im Publikum. Nun wippte jeder Fuß bei Curtis Meyfields „People Get Ready“ mit. Zudem zeigten Hanna Jursch und Tobias Langwisch auch, was in manch altem Kirchenlied steckt. So mitreißend hatten wohl niemand „Du meine Seele singe“ jemals gehört. Zwischendurch entlockte Tobias Langwisch dem romantischen Instrument des Elzer Orgelbauers Philip Furtwängler mit einem Satz aus Leon Boellmanns „Suite Gothique“ einen sanften Klangteppich. Ein Klang wie aus einer anderen Welt.

Mehrere Minuten Applaus

Nach mehreren Minuten Applaus gab Hanna Jursch zu: „Wir hatten noch nicht einmal Zeit, eine Zugabe einzuüben. So beschäftigt waren wir mit dem Programm.“ Selbstverständlich gab es dann doch eine Zugabe und von Nordstemmens Pastor Kay Oppermann als kleinen Dank für ein großes Konzert eine Kopfbedeckung mit Nordstemmer Kirchenlogo.

Die Orgel

Die Disposition

Hauptwerk: Bordun 16′ Principal 8’ Gamba 8’ Rohrflöte 8’ Octav 4’ Octav 2’ Trompete 8’ Rohrflöte 4’ Spitzquinte 2 2/3´ Mixtur 4-fach

Schwellwerk: Spitzflöte 8´ (schwebend) Geigen Prinzipal 8’ Salicional 8’ Gedact 8’ Clarinette 8’ Gedactflöte 4’ Gemshorn 4’

Pedal: Subbass 16′ Violonbass 16′ Posaunenbass 16′ Principalbass 8’ Bordun 8′ Octav 4’

Infos zum Instrument

Die Orgel in der St. Johanniskirche ist (nach Gronau/Leine) das an der Registerzahl gemessen drittgrößte Instrument aus der Orgelbauwerkstatt von Philipp Furtwängler aus Elze.

Die Orgel besitzt seit der Bauzeit 23 Registern und 1259 Pfeifen und erklang zum ersten Mal im Sommer 1864. Das Werk Furtwänglers fand seinen Platz auf der Westempore der zwei Jahre alten Kirche von Konsistorialbaumeister Ludwig Hellner aus dem Jahr 1862. Der Prospekt im neogotischen Stil stammt vom Architekten Wilhelm Tochtermann aus Hildesheim.

Die größten Pfeifen der Orgel ist 5,30 m lang, die kleinste 1 cm. Die Orgel wurde im Jahr 2001 von der Firma Hillebrand gründlich gereinigt und in einen klanglich nahen sowie technisch mustergültigen Zustand zurück geführt. Die Orgel ist vollmechanisch mit Schleifladen ausgelegt. Das elektrische Gebläse der Orgel mit einer einfachen Schöpf- und Faltenbalganlage befindet sich in einem hinter der Orgel gelegenen Turmraum.

Klangbeispiele

Johann Sebastian Bach - Sonate Nr. 3 d-moll BWV 527

von Jan Liebermann | Furtwängler Orgel von 1864

Johann Heinrich Knecht - Cantabile aus B-Dur Larghetto

von LKMD Winfried Dahlke | Furtwängler Orgel von 1864

Johann Heinrich Knecht - Rondo aus G-Dur

von LKMD Winfried Dahlke | Furtwängler Orgel von 1884

Johann Sebastian Bach / Adagio in d-moll BWV 593

von Werner Koch | Konzert am 12.8.2023

Improvisation: Gebet und Toccata

von Werner Koch | Konzert am 12.8.2023

Improvisation: Französische Overtüre

von Werner Koch | Konzert am 12.8.2023

Improvisation: Siciliano

von Werner Koch | Konzert am 12.8.2023

Stefan Polster

Kirchenmusiker Stefan Polster ist bei den Sommermusiken für die musikalische Leitung und als Orgelbauer auch für das Wohlergehen des Instrumentes zuständig.

Kontakt: Stefan.Polster-Hildesheim@t-online.de

Kay Oppermann

Als Pastor der Kirchengemeinde St. Johannis Nordstemmen kümmert sich Kay Oppermann um die Organisation der Konzerte und die Öffentlichkeitsarbeit.

Kontakt: kay.oppermann@evlka.de